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DAS JENAER MARTYROLOGIUM - Start

Das Jenaer Martyrologium (ThULB Jena, Ms. Bos. q. 3)

Martyrologien nennt man nach dem Kalender geordnete Verzeichnisse christlicher Märtyrer, d. h. Heiliger, die in den Jahrhunderten der Christenverfolgung ihr Leben für ihren Glauben gelassen haben. Als die ersten großen Martyrologien entstanden, war die Zeit der Verfolgung eigentlich schon vorbei. Man fing an, das Gedächtnis so zu organisieren, daß es der Zukunft nicht verloren ging. Auf der Grundlage verschiedenster Dokumente: Märtyrerakten, Verhörprotokolle und Lebensbeschreibungen, die lange auch in mündlicher Überlieferung weitergereicht wurden, entstanden zunächst kalendarische Martyrologien. Es waren Verzeichnisse, die nur den Namen des Märtyrers und ggf. den Ort seines Todes benannten. Sie blieben als Typ noch bestehen, als das Bedürfnis der Menschen nach ausschmückender Erzählung von der Liste zur Sammlung von Lebensbeschreibungen drängte. So entstanden die sog. historischen oder narrativen (erzählenden) Martyrologien, deren Aufgabe es war, nicht bloß dokumentierend aufzuzählen, sondern das tugendhafte Leben, die Werke und die qualvollen Todesumstände der Blutzeugen zu vergegenwärtigen. In einer Epoche, in der die äußere Bedrängnis der Gläubigen durch die von den Karolingern vorangetriebene Christianisierung zunehmend Geschichte wurde, erinnerte man sich der Glaubensfestigkeit der Alten. Der Kalender legte die Wiederkehr der Gedenktage fest. In den Kirchen wurde von den Märtyrern in deutscher Sprache gepredigt. Im straff organisierten Tageslauf der Mönchsorden erhielt die Verlesung der Martyrien ihren festen Platz nach der Prim, dem gemeinsamen Morgengebet. Sie erfolgte in Latein, der von allen Geistlichen verstandenen Sprache der mittelalterlichen Kirche Europas.


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